Machiavelli auf Umstädterisch

Niccolò Machiavelli war ein florentinischer Philosoph, Politiker, Diplomat, Chronist und Dichter im 15. Jahrhundert. Vor allem aufgrund seines Werkes Il Principe gilt er als einer der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit. Der später geprägte Begriff Machiavellismus wird oft als abwertende Beschreibung eines Verhaltens gebraucht, das zwar raffiniert ist, aber ohne ethische Einflüsse von Moral und Sittlichkeit die eigene Macht und das eigene Wohl als Ziel sieht. Sein Name wird daher heute häufig mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel verbunden. Groß-Umstadt ist mit Dicomano in der Nähe von Florenz verschwistert. So viel zur Einführung.

Machiavelli auf Umstädterisch

Eine Komödie in 3 Akten

1. Akt

Richen, der wohl bedeutendste Stadtteil von Groß-Umstadt erhält endlich ein Baugebiet, das seiner Bedeutung für die Stadt und der Position seines bedeutsamen Ortsvorstehers wenigsten ansatzweise gerecht wird. Aha, der Ortsvorsteher, pardon der Ortsbeirat soll Namen für die Straßen des neuen Baugebiets festlegen; … äh nur vorschlagen? Na ja, das ist so gut wie festgelegt. Die Stadtverordnetenversammlung frisst dem Ortsvorsteher quasi aus der Hand.

Der Ortsvorsteher ist irritiert; die Stadtverordneten hatten unerwartet eine eigene Meinung und haben Änderung in den ausgesuchten Namen für die Straßen beschlossen. Von den fünf vom Ortsbeirat vorgeschlagenen Namen sollte einer wegfallen und stattdessen die Böhmer Straße verlängert werden. Die Stadtverordneten bestanden darauf, dass der einzig vorgeschlagene Name einer Frau bleiben sollte; ärgerlich aber nicht zu ändern, die Stadtverordnetenversammlung hatte beschlossen.

2. Akt

Ha!!! Eine Tochter wollte nicht, dass eine Straße nach ihrer Mutter heißt; Der Ortsvorsteher, pardon der Ortsbeirat soll gefragt werden und gegebenenfalls einen neuen Vorschlag machen. Na also! Tauschen wir den Namen der Frau durch den Namen eines Mannes aus, die Welt kommt doch wieder in Ordnung.

Jetzt muss die Aufhebung des Beschlusses und die neue Vergabe der Namen nur noch mit Zweidrittelmehrheit auf die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung als besonders dringlich genommen werden und alles ist geritzt.

Diese renitenten GRÜNEN sehen nicht ein, dass das dringlich ist. Sie finden, dass auch die Meinung der anderen Familienangehörigen der durch eine Straßenbenamung geehrten Richerin ebenfalls gewürdigt werden müsste. Und dafür seien ja extra die Ausschusssitzungen erfunden worden, um darüber zu diskutieren. Ja wo glauben die denn, wo wir hier sind? Das ist Umstadt und da gibt es eine Mehrheit.

Doof nur, dass zu viele von den Abgeordneten der großen Koalition heute daheim geblieben sind. Die GroKo hat zwar 26 Stadtverordnete und 25 reichen für eine Zweidrittelmehrheit, aber wenn die nicht alle kommen? Dumm gelaufen!

3. Akt

Die GRÜNEN haben dagegen gestimmt, diese Spaßbremsen. Was wollen die denn diskutieren? Die Groko hat eine Mehrheit und fertig is. Denen muss mal gezeigt werden, wo ihr Platz ist. Und was sie zu sagen haben, nämlich nichts.

Die haben doch einen Antrag gestellt! Stadtradeln! Da könnt ja jeder kommen. Zwar haben wir im Haupt- und Finanzausschuss wohlwollend Zustimmung in Aussicht gestellt, aber da war doch noch was zu klären, oder? Die Kosten, genau! Was kostet es, wenn die Stadt Groß-Umstadt an der Aktion „Stadtradeln“ des Klimabündnisses teilnimmt?

600 Euro??? Das ist ja der Wahnsinn pur! Soviel Geld? Das ist auf keinen Fall zu verantworten! Die Stadt muss sparen!! Und was hat Radfahren überhaupt mit Klimaschutz zu tun!!! Und überhaupt; wer sagt denn, dass Radfahren so gesund sei?

Hat uns nicht Machiavelli gelehrt: „Nichts ist so hoffnungslos, dass wir nicht Grund zu neuer Hoffnung fänden.“ Genau: Antrag abgelehnt! Wenn ihr mal wieder was haben wollt, dann verhaltet euch entsprechend.

Apropos Stadtradeln

Zum bereits achten Mal findet 2015 die Kampagne STADTRADELN des Klima-Bündnis statt, das größte Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreise zum Schutz des Weltklimas mit über 1.700 Mitgliedern in 25 Ländern Europas.

Kommunalpolitiker*innen und Bürger*innen radeln vom 1. Mai bis 30. September drei Wochen am Stück um die Wette und sammeln Radkilometer für den Klimaschutz sowie für eine vermehrte Radverkehrsförderung in ihrer Heimatkommune.

Gesucht werden Deutschlands fahrradaktivste Kommunalparlamente und Kommunen sowie die fleißigsten Teams und Radler*innen in den Kommunen selbst. Ziele der Kampagne sind, Bürger*innen zur Benutzung des Fahrrads im Alltag zu sensibilisieren und die Themen Fahrradnutzung und Radverkehrsplanung verstärkt in die kommunalen Parlamente einzubringen. Kommunalpolitiker*innen als die lokalen Entscheider in Sachen Radverkehr sollen im wahrsten Sinne des Wortes verstärkt „erfahren“, was es bedeutet, in der eigenen Kommune mit dem Rad unterwegs zu sein und Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation für Radfahrer*innen dann anstoßen resp. umsetzen. Zudem soll die Politik ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und nutzen, um durch positive Beispiele andere zum Radfahren zu ermuntern.

Übrigens: Groß-Umstadt ist Mitglied im Klimabündnis. Was??? Was kostet das denn? Muss man das nicht sofort kündigen? Was schrieb Machiavelli übrigens über das Klimabündnis? Und übers Radfahren …

P.S.: Der Kreis Darmstadt-Dieburg nimmt am Stadtradeln teil und sammelt vom 1.7. bis 21.7. Radkilometer seiner Bürgerinnen und Bürger.

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