Digitalethik – Zwischen Technologie und Selbstbestimmung

Zu einer interessanten Veranstaltung hatten die Groß-Umstädter Grünen am 15. Mai in die Stadthalle eingeladen.

Es ging um das Thema Digitalethik. Zwischen Technologie und Selbstbestimmung hieß der Untertitel.

Torsten Levringhaus, Mitglied des Landtagsund und dort im Ausschuss für Digitales sprach zunächst das Grußwort und nannte sogleich ein denkwürdiges Beispiel: „Wir alle wissen, wie Facebook mit unseren Daten umgeht, und dennoch nutzen es die meisten von uns!“

Er übergab dann das Wort an Wolfram Bartussek, ein Medienwissenschaftler der TU Darmstadt, der zugleich Mitglied in der Landes- als auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft Digitales und Medien ist, also eine optimale Besetzung für dieses Thema.

Herr Bartussek begann mit einem Zitat von Albert Einstein: „Das Streben nach moralischem Handeln ist das wichtigste Streben des Menschen.“ So ist es also kein Wunder, wenn gerade in Zeiten eines gesellschaftlichen Wandels die Ethik wieder mehr gefragt und momentan brandaktuell ist, denn das digitale Zeitalter sorgt für einen sprunghaften Anstieg neuer Anwendungsmöglichkeiten. Aber nicht alles was möglich ist, ist auch notwendig. Vieles ist entbehrlich oder „nice to have“. Da müssen Prioritäten klar definiert werden, was auch eine politische Aufgabe ist.

Viele neue Fragen tun sich auf, zu denen Antworten erwartet werden. Wie wird z.B. ein selbstfahrendes Auto programmiert, wenn es in einer Unfallsituation zwischen dem Leben des Fahrers oder dem einer plötzlich auftauchenden Person entscheiden muss?
Wie werden überhaupt und ganz allgemein die Auswirkungen neuer Anwendungen bewertet? So einfach lässt sich das nicht beantworten, denn die Wertung orientiert sich an den „höchsten Gütern“ und die können je nach Glaubensrichtung oder Gesellschaftsform unterschiedlich sein. Schon zwischen Eltern und Kindern gibt es Differenzen.

Umso wichtiger ist es, dass ein ethischer Diskurs möglichst früh, weit vor der letztendlichen Nutzung einsetzt, also schon bei der Konzeption. Das ethische Handeln muss als begleitender Prozess gesehen werden, Ethik muss sozusagen schon mit implementiert werden. Damit können dann auch rechtzeitig die notwendigen Gesetze und Normen bereitgestellt werden. Leider ist das aber noch lange kein fester Standard beim ingenieurmäßigen Vorgehen und insbesondere bei der Softwareentwicklung eher mangelhaft.

Dabei gibt es gerade für die Computerfachleute bereits einen sehr guten Ethik- und Verhaltenskodex, den sogenannten ACM –Kodex. Es geht um ein verantwortungsbewusstes Handeln, das auch die weiteren Auswirkungen betrachtet und das Gemeinwohl konsequent unterstützt. Laut Bartussek lässt sich der Kodex ohne weiteres auf EU-Ebene transformieren, womit wir bei den anstehen Wahlen sind.

Wir glauben, dass es dafür die richtigen Entscheider in Brüssel bedarf. Also ein weiter Grund, am Sonntag zur Wahl zu gehen, damit Europa auf die vielen Fragen die richtigen Antworten geben kann, die sich am Gemeinwohl und nicht an den wirtschaftlichen Interessen etlicher Lobbyisten orientieren.

Ortsverband Bündnis90/Die Grünen
Groß-Umstadt

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